Manche Politiker sprechen von der „brutalstmöglichen Wahrheit“, der Volksmund von „Lieber ein Ende mit Schrecken, als Schrecken ohne Ende“ und der Coach von „wertschätzender Offenheit“. Letzteres klingt angenehmer, ist meiner Meinung nach aber das gleiche.

Jetzt mal im Ernst: Kürzlich war ich bei einer Führungskraft, in deren Umfeld zu viele Konflikte eskalierten. Die Vorgesetzte war besorgt und das Coaching sollte wieder für mehr Ruhe sorgen.

Da gab es nur ein Problem: Mein Kunde war felsenfest davon überzeugt, dass andere die Schuld tragen. Er seinerseits hatte nur positives Feedback bekommen. Merkwürdig, warum war ich dann hier?

Schließlich sagte ich folgendes: „Entweder lässt uns Ihre Vorgesetzte Zeit verschwenden und gibt dafür auch noch Geld aus, oder aber – und ich sage das nicht gerne – ist die Lage so schlimm, dass Ihnen niemand mehr die Wahrheit sagt.“ Dann fragte ich ihn, ob er eine dritte Möglichkeit sehe.

Er dachte eine Weile nach. Er sah keine dritte Möglichkeit. Allerdings gefielen ihm die anderen beiden auch nicht. In dieser kreativen Spannung hatten wir ein unglaublich tolles Coaching.

So brutal kann die Wahrheit nie sein, dass es sich lohnen würde, ihr nicht ins Auge zu sehen. Neue Blickwinkel und Aha-Erlebnisse warten darauf, entdeckt zu werden. Ein Coaching schärft den Blick für die Realität.

Auf das Herzlichste grüßt Sie

Ihr

Thomas Schulte

Thomas Schulte, Jahrgang 1961, Volkswirt, war erst Banker und internationaler Unternehmensberater bevor ihm klar wurde, dass er ein Coach ist. Seitdem ist Coaching für ihn Beruf, Kunst, Handwerk und Lebenseinstellung in einem. Als Geschäftsführer der Symbiont Group, einer Coaching-Company im Raum Südhessen, begleitet er seit vielen Jahren Organisationen, Teams und Einzelpersonen bei der Umsetzung anspruchsvoller Veränderungsvorhaben. 2010 erschien sein erstes Buch „Coaching als Weg“ beim Achter Verlag, 2013 folgte „Der Weg zum professionellen Coach“ bei Beltz und 2015 „Leistung und Leichtigkeit“ bei Springer Gabler.