Unternehmen verlieren, wenn Wettbewerber mit neuen Technologien, Produkten und Dienstleistungen schneller am Markt sind. Dagegen hilft nur eines: Die rechtzeitige Neuentwicklung zukunftsweisender Produkte und Dienstleistungen. Ob das gelingt, hängt von der Mannschaftsleistung des Unternehmens ab. Wie kann man die für Innovation verbessern?

Kombination

Innovation bringt Neues in die Welt und Neues entsteht durch die Kombination von altem. Das mag zunächst paradox erscheinen, aber denken wir beispielsweise an unser heißgeliebtes Smart-Phone, dann erkennt man sehr schnell die Kombination von Telefon, Computer, Fotoapparat, Radio, GPS oder Taschenlampe – allesamt altbekannte Gerät-Funktionen.

Eine Innovation setzt also immer auf dem auf, was bereits ist. Natürlich gibt es eine Unmenge an Kombinationsmöglichkeiten. Nicht jede macht Sinn und stiftet Nutzen und so entscheidet letzten Endes der Verbraucher, was eine Innovation ist und was nicht. Eine Innovation kombiniert bereits bestehendes in einer von den Kunden geschätzten Art und Weise.

Inspiration

Unter Inspiration wird eine kreative neue Idee verstanden – etwas noch nicht Dagewesenes. Je nach religiöser Ausrichtung würden manche Menschen dieser Idee einen göttlichen oder universellem Ursprung bescheinigen. Wenn dem so ist, fließt eine Inspiration zwar aus dem Menschen, kommend aber von außerhalb. Wie dem auch sei, eine Inspiration ist per se etwas Neues, etwas, das bislang so noch nicht existierte, zumindest nicht innerhalb unseres Erfahrungshorizonts.

Am Anfang aller Innovation steht notwendigerweise eine Inspiration. Beim Smart-Phone die Idee, viele praktische Geräte in eines zu packen. Innovationen benötigen also zweierlei, die gelungene Kombination bestehender Komponenten und eine kreative Idee. Beide Aspekte unterliegen ganz verschiedenen Herausforderungen: Komplexität und Hektik und je besser die Mannschaft, um so leichter fällt es diese zu bewältigen.

Komplexität

Aufgrund des Kombinations-Prinzips werden Innovationen zwangsläufig immer komplexer, weil die einzelnen Komponenten und Baustein, die zusammen die Innovation ergeben, wie beim Smart-Phone, an sich schon komplex sind und zudem aus gänzlich unterschiedlichen technischen Bereichen kommen. Durch immer weiter aufeinander aufbauende Kombinationen von bestehenden Funktionen, entsteht Komplexität in noch nie erlebten Ausmaß.

Damit einher geht unvermeidlich auch ein Anstieg an die Anforderungen an das Innovations- Team. Immer mehr Spezialisten für die einzelnen Komponenten müssen zusammenwirken, die aus immer unterschiedlicheren Fachgebieten mit unterschiedlichen Sprachen und unterschiedlichen Kulturen kommen. Wie beim Turmbau zu Babel sind Mißverständnisse und Konflikte vorprogrammiert.

Hektik

Inspiration braucht Zeit und lässt sich nicht erzwingen. Eine Idee, als der Startpunkt von Innovation, kann nur dann ins Bewusstsein rücken, wenn dieses nicht allzu sehr von tagesaktuellen Anforderungen belastet ist. Mitarbeiter und Führungskräfte, die von Termin zu Termin hetzen, bei denen eine Aufgabe die nächste jagt, haben zwischen den Gedanken nicht mehr die Lücke, in die eine kreative Idee hineinschlüpfen könnte.

Wenn in manchen Unternehmen die Innovationskraft ins Stocken geräten, liegt das weniger an mangelndem Erfindungsreichtum oder einer selbstauferlegten Engstirnigkeit, wie oft beklagt wird, sondern daran, dass die Unternehmensmannschaft unter Druck und Stress neuen Ideen keinen Raum mehr geben kann.

Mannschaften

Für Innovationen müssen immer mehr und unterschiedlichere Menschen immer besser zusammenarbeiten. Heutzutage benötigen Innovationen echte Mannschaften, die über die verschiedensten Kulturen und Mentalitäten hinweg, spielerisch und gekonnt den Ball laufen lassen.

Um der ersten Herausforderung, der Komplexität, Herr zu werden, sind dabei herausragende kommunikative und interkulturelle Fähigkeiten gefragt. Innovation ist mehr denn je nur noch als funktionsübergreifende Mannschaftsleistung denkbar. Zu groß sind die Anforderungen an beispielsweise Design, Sicherheit und Marketing, als dass ein Einzelner alle abdecken könnte. Lange vorbei sind die Zeiten als Herr Fischer seine Dübel in der Abgeschiedenheit seiner Werkstatt entwickeln konnte.

Erst ein uneigennütziges Teilen von Information, Wissen und Knowhow macht Innovation möglich. Die Initialzündung dazu, die Kreativität, entsteht, wenn Menschen gemeinsam nachdenken, Ideen und Wissen austauchen, Vertrauen schenken  und bereit sind, neue Wege zu gehen. Dem steht die zweite Herausforderung, die Hektik, entgegegn. Es drängt die Zeit und die finanziellen Mittel sind begrenzt. Den daraus resultierenden Druck auszuhalten,  geht in einer echten Gemeinschaft viel besser als allein auf sich gestellt. Wo der Einzelne zusammenbrechen würde, lebt ein exzellentes Team erst auf.

Eine weitere wichtige Kompetenz ist die Risikobereitschaft. Viele Unternehmen sanktionieren das Nicht-Erreichen von Zielvorgaben. Risiken einzugehen sucht man in den Zielvorgaben der Mitarbeiter und Führungskräfte vergebens. Auch hier haben Top-Mannschaften einen unschätzbaren Vorteil: Gemeinsam lässt sich ein Scheitern leichter ertragen. Man denke nur an das Rampenlicht der auf Abstiegsplätzen stehender Sportmannschaften. Ein Einzelner würde sich in Grund und Boden schämen, eine gute Mannschaft wird angespornt.

Innovation als Kauf

Viele Unternehmen reagieren mit dem Kauf von Innovation, das heißt mit dem Erwerb ganzer Unternehmen, die die gewünschte Innovation in ihrem Produktportfolio haben. Nur leider ist der Kauf kaum billiger als eine Eigenproduktion, denn in der Regel verlangen die Unternehmensinhaber einen gehörigen Aufschlag für ihr „Baby“. Unterschätzt wird auch meistens, dass die Eingliederung des neuen Unternehmens einen Kulturschock verursacht, den das Unternehmen verdauen muss. Oft wird erfahrungsgemäß die Integrationsarbeit aus Zeitmangel immer wieder verschoben, wodurch Subkulturen und „Parallelgesellschaften“ entstehen. Diese Abschottung ist dann der Tod jeglicher eigener zukünftiger Innovation.

Kleine versus große Unternehmen

Viele Start-ups sind innovativ, weil sie gleich von Anfang an eine Mannschaft sind. Oft hat der Gründer die ersten Mitarbeiter höchstpersönlich und handverlesen eingestellt und darauf geachtet, mit wem er zusammenarbeiten kann und möchte. So groß Ihr Unternehmen mittlerweile auch sein mag, irgendwann war es ein Start-up.

Diese direkte mannschaftsdienliche Rekrutierung verliert ab einer gewissen Unternehmensgröße an Bedeutung, wenn die Einstellung neuer Mitarbeiter delegiert werden muss. Manche Unternehmen entscheiden sich deshalb bewusst dafür, die Anzahl der Mitarbeiter nicht über einen kritischen Wert wachsen zu lassen, damit sie diese Mannschaft, die sie von Anfang an waren, nicht verlieren.

Das ist verständlich, aber auch eine unnötige Barriere für das Wachstum des Unternehmens. Denn erstens muss das Mannschaftsspiel nicht verloren gehen, und zweitens kann man es jederzeit wieder aufbauen. Die Größe eines Unternehmens ist grundsätzlich kein Hindernis dafür. Ein gutes Team hat im Schnitt ca. 10 bis 15 Mitglieder. Wenn jeder der Teamleiter wiederum in einem Führungsteam agiert, das aus 10 bis 15 Teamleitern besteht, kann auch dieses Leitungsteam als eine Mannschaft agieren. Aus diesen Leitungsteams kann man wiederum eine Leitung nominieren, die sich dann in einem übergeordneten Team einbringt. Auf diese Weise kann das ganze Unternehmen eine Mannschaft, ein Team von Teams, sein. Entscheidend ist, dass auf allen Ebenen die Teams als Mannschaft handeln. Dann steht der Entwicklung von Innovationen nichts im Wege, auch nicht die Unternehmensgröße.