Der Philosoph und Schriftsteller Henry David Thoreau hat einmal gesagt: Falls ein Mann nicht Schritt hält mit seinen Kameraden, liegt das vielleicht daran, dass er einem anderen Trommler folgt.

Kürzlich beschrieb mir eine Führungskraft einen ihrer Mitarbeiter als extrem talentiert, aber auch extrem schwierig. Die Person war mehrfach ausfallend geworden und hatte damit viele, auch sie selbst, schwer enttäuscht und gegen sich aufgebracht. Sie stand vor der Entscheidung, diesen Mitarbeiter entweder zu kündigen oder ihm – noch einmal – eine Chance zu geben.

So gut ich dieses Dilemma nachvollziehen konnte, fiel es mir schwer, ihr einen direkten Rat zu geben. Einerseits ein Mitarbeiter, der offensichtlich massiv aneckte, andererseits aber ein gewisses Maß an Genialität besaß. Was tun?

Mir fiel die Geschichte vom bayrischen König Ludwig II ein, der das Schloss Neuschwanstein (und andere Schlösser) bauen ließ. Noch zu Lebzeiten als geisteskrank erklärt und entmündigt, hat er damals Deutschlands bedeutendste Touristenattraktion erschaffen. Was war er nun, geisteskrank oder eines der größten Genies seiner Zeit? – das fragte ich die Führungskraft.

Sie dankte mir für dieses „food-for-thought“. Ein paar Wochen später sah ich die beiden wieder bei einem Workshop. Sie kamen offensichtlich gut miteinander aus.

Die verrückten und durchgeknallten, die, die alle nerven, sind vielleicht nur die, die am weitesten voraussehen und einer anderen Melodie folgen.